Peter Bierl ist einer der profiliertesten Steiner-Kritiker, was er nicht zuletzt in seinem Buch "Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik" fundiert nachweist. Mittels historischer und aktueller Beispiele weist er darin nach, dass die anthroposophische Weltanschauung antihumanistisch und irrational ist, geeignet, autoritäre und faschistische Entwicklungen ideologisch vorzubereiten. Das er sich damit den Ärger der etwa 70.000 organisierten Waldorfpädagogikanhänger zuzieht, scheint fast natürlich.
Ich kannte die Reaktionen auf Peter Bierl nur vom Hörensagen, das eigene Sehen war ein Erlebnis: Der angekündigte Waldorfpädagoge stellet sich der Diskussion mit Bierl auf dem Podium nicht. Stattdessen fanden sich etwa 100 Menschen mit Waldorfschulhintergrund ein, um die Thesen Bierls zu widerlegen und die Ikone Steiner zu verteidigen. Eine irrationale Diskussionsmentalität verhinderte die angestrebte Auseinandersetzung mit der historischen Figur Steiner und den rassistischen und antisemitischen Ansichten dieses „Pädagogen“. Der Verweis auf den Einfluss der Steinerschen Thesen auch auf die heutige Waldorfpädagogik wurde mit dem fatalen Totschlagargument begegnet, dass es nur in Ausnahmefällen noch direkten Bezug auf Steiner gäbe. Das die Realität anders aussieht, belegte Bierl. Der Referent hatte nicht die Absicht, Menschen mit Waldorfschulhintergrund als “Nazis“ zu stigmatisieren. Doch genauso so wurde er bewusst verstanden.
Für die weitere Auseinandersetzung mit diesem Thema und unserem parlamentarischen Agieren ist eine Auseinadersetzung mit den pädagogischen Ansätzen der (freien) Schulen in Thüringen unerlässlich und in ihrer Konsequenz zu bedenken. Unsere politische Forderung nach einer Vielfalt pädagogischer Ansätze in der Schulbildung bedeutet derzeit zwangsläufig bestehende Konzepte zu unterstützen. Allerdings mit kritischem Blick.